Webflow, WordPress, Wix oder vielleicht doch Jimdo? Wer eine Website für sein Unternehmen braucht, findet online jede Menge Meinungen. Und fast alle widersprechen sich.
Das liegt daran: Jeder Anbieter hat seine Fans, jede Agentur ihre Lieblingsplattform. Dieser Beitrag kommt aus einer anderen Richtung. Ich baue seit Jahren Websites für kleine Unternehmen, Handwerksbetriebe, Arztpraxen und Selbstständige und erkläre dir, worauf es bei der Wahl wirklich ankommt, wenn du kein IT-Spezialist bist.
Kurz vorab: Typische Website für ein kleines Unternehmen lässt sich mit jedem der genannten CMS bauen. Für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen ist aber WordPress die beste Wahl.
Was kleine Unternehmen wirklich brauchen
Bevor wir die drei Systeme vergleichen, kurz zur Ausgangssituation: Ein kleines Unternehmen – ob Handwerker, Arztpraxis, Steuerberater oder Dienstleister – braucht eine Website, die Kunden gewinnt, Vertrauen aufbaut und möglichst wenig Kopfschmerzen in der täglichen Arbeit verursacht.
Das bedeutet in der Praxis:
Genau diese fünf Punkte schauen wir uns jetzt für alle drei Systeme an.
Die fünf Kriterien im Detail
1. Kosten
Das ist der Punkt, bei dem die meisten Vergleiche vereinfachen. Also machen wir es richtig.
Wix ist beim Einstieg am günstigsten: Pläne für Unternehmensseiten starten ab ca. 17 €/Monat, inkl. Hosting. Klingt verlockend. Aber: Wix verdient Geld mit dem monatlichen Abo – und du bist daran gebunden. Funktionen, die du brauchst (Buchungssystem, erweiterte Statistiken, mehr Speicherplatz), kosten oft extra. Die Kosten können schnell steigen. Ich will dir hier nicht unnötig Angst machen: schaue selbst auf die Preise bei Wix.
Webflow kostet ähnlich viel – ca. 18–25 €/Monat für eine Unternehmensseite, ebenfalls inkl. Hosting. Planbar, aber ebenfalls ein dauerhaftes Abo. Und kann jederzeit erhöht werden. Solche recht hohen Sprünge im Preis gab es schon in der Vergangenheit. Du bist an die Plattform gebunden, also zahlst du, oder bist gezwungen, mit der Seite umzuziehen, was bedeutet, sie neu machen zu lassen.
WordPress ist als Software kostenlos. Du zahlst für Hosting (gutes Hosting ab ca. 8–15 €/Monat), und du zahlst für manche Plugins – ein SEO-Plugin, ein Formular-Plugin, ein Sicherheits-Plugin. Das summiert sich auf vielleicht 100–200 € im Jahr. Dazu kommen die Kosten für die Erstellung der Website.
Fazit Kosten: Wix und Webflow sind kurzfristig günstiger und planbarer. WordPress kann langfristig günstiger sein – ist aber am Anfang aufwändiger. Entscheidend ist: Bei WordPress gehören dir deine Daten und dein System. Bei Preiserhöhung bei einem Hoster nimmst du deine Seite und ziehst zum anderen um. Kein Anbieter kann die Preise einseitig erhöhen oder Features streichen.
2. Selbst Änderungen machen
Das ist im Alltag oft das Wichtigste. Du willst schnell selbst einen Preis anpassen, ein neues Teamfoto hochladen oder eine Öffnungszeit ändern, ohne einen Dienstleister zu beauftragen.
Wix ist hier am einfachsten. Drag-and-Drop, was du siehst ist, was du kriegst. Für absolute Einsteiger ohne jede Vorkenntnis ist Wix vermutlich am zugänglichsten. Aber auch da muss man aufpassen, dass das Design sich nicht ungewollt ändert.
WordPress ist nach einer kurzen Einführung sehr gut bedienbar. Mit modernen Editoren wie Gutenberg oder einem Page Builder (z.B. Elementor) lassen sich Texte, Bilder und Inhalte komfortabel pflegen. Und das natürlich ohne Programmierkenntnisse. Ich zeige meinen Kunden nach dem Projekt, wie es geht und das reicht in der Regel aus.
Webflow ist für einfache Selbstbearbeitung auch sehr gut zu bedienen. Problematischer wird es, wenn man in der Seite neue Bereiche hinzufügen möchte. Das System ist primär für professionelle Webdesigner gebaut und arbeitet nah am Code der Website. Wenn du als Inhaber selbst die Seiten erweitern willst, wirst du mit Webflow schnell an Grenzen stoßen.
Fazit Bedienbarkeit: Wix ist einfach, WordPress ist auch sehr gut bedienbar, Webflow ist für simple Selbstverwaltung auch gut geeignet.
3. Updates & Wartung
Das ist der Punkt, bei dem viele WordPress-Kritiker gerne dramatisieren. Also schauen wir es uns nüchtern an.
Wix und Webflow so wie alle Baukasten-Systeme kümmern sich selbst um technische Updates. Du musst nichts tun, denn die Plattform macht das alles im Hintergrund.
WordPress braucht regelmäßige Updates: Das Core-System, das aktive Theme und die installierten Plugins wollen gepflegt werden. Das klingt aufwändiger, als es ist.
Vor allem: die Plugins und Themes lassen sich mittlerweile automatisch aktualisieren lassen. Wenn du wenige und gute Plugins nutzt (die meisten „normalen“ Seiten von KMUs brauchen da wirklich nicht viel), ist es normalerweise unproblematisch. Aber streng genommen verlierst du so die Kontrolle darüber, was passiert.
Du kannst es also von Hand machen. Bei einer schlanken WordPress-Seite mit wenigen, gepflegten Plugins ist das nicht mehr als 10–15 Minuten im Monat. Du klickst auf „Aktualisieren“, fertig. Das Risiko entsteht vor allem dann, wenn zu viele oder schlecht entwickelte Plugins im Einsatz sind, was bei einer professionell erstellten Unternehmensseite gar nicht nötig ist.
Und falls doch mal etwas schiefgeht? Genau dafür gibt es Backups. Vor jedem Update ein Backup erstellen (z.B. automatisch in regemäßigen Abständen) – das ist Standard und nimmt die Angst vor Fehlern. Im schlimmsten Fall stellst du einfach die vorherige Version wieder her. Das ist bei WordPress problemlos möglich, weil du deine Daten selbst kontrollierst.
Wer Updates gar nicht selbst machen möchte: Das lässt sich beim Websiteprojekt direkt mitregeln. Viele Webdesigner bieten an, bei einem neuen Website-Auftrag gleich Wartung für ein Jahr mit zu vereinbaren. Du zahlst einmalig, weißt was du hast, und musst dich um nichts kümmern. Danach entscheidest du, ob du’s selbst machst oder weiterführst.
Fazit Updates: Wix und Webflow nehmen dir die Arbeit ab. WordPress erfordert etwas Eigenverantwortung, ist aber bei professioneller Umsetzung sehr gut handhabbar und mit Backup immer sicher. Ich habe mehrere Webseiten aufgesetzt, wo Plugins automatisch aktualisiert werden und kann aus Erfahrung sagen: läuft.
Vorsicht ist geboten bei großen System-Aktualisierungen, z.B. bei Versionssprung beim WordPress selbst. Aber auch hier: Backup machen und du kannst jederzeit zurück.
4. Datenschutz & DSGVO
Wo liegen die Daten – in der EU oder in USA? Das ist ein Thema, das immer häufiger ernst genommen wird.
Wix ist ein US-amerikanisches Unternehmen. Deine Website-Daten liegen auf Wix-Servern in den USA. Das ist für viele Branchen datenschutzrechtlich problematisch und schwer DSGVO-konform zu gestalten.
Webflow ist ebenfalls ein US-Anbieter. Hosting auf EU-Servern ist mit eigener Konfiguration möglich, aber nicht der Standard.
Bedeutet das, dass man die Seiten so nicht betreiben darf? Nein. Man darf, man muss es nur entsprechend in der Datenschutzerklärung deklarieren. Aber es bleibt dabei: Alles passiert auf Servern in den USA.
WordPress gibt dir hier die volle Kontrolle. Du wählst deinen Hosting-Anbieter selbst und bestimmst damit auch den Serverstandort. Mit einem deutschen oder EU-Anbieter wie All-Inkl, Mittwald oder Hetzner liegen deine Daten auf deutschen Servern, DSGVO-konform, ohne Kompromisse.
Das ist kein kleines Detail. Es ist ein echter Vorteil, gerade für alle, die im professionellen Umfeld tätig sind.
Fazit Datenschutz: WordPress ermöglicht volle DSGVO-Kontrolle mit freier Hosting-Wahl. Wix und Webflow sind US-Plattformen mit eingeschränkter Kontrolle über den Serverstandort.
5. Plattformabhängigkeit
Zwei Sachen: 1. Was passiert, wenn du wechseln willst? 2. Was, wenn deine Seite erweitert werden soll?
Diese Punkte denken viele am Anfang nicht zu Ende. Aber sie können irgendwann entscheidend sein.
Wix ist ein geschlossenes System. Deine Inhalte, dein Design und deine Domain sind eng an Wix gebunden. Ein Umzug zu einem anderen System ist kaum möglich. Wenn Wix die Preise erhöht oder ein Feature streicht, hast du die Wahl: die Kröte schlucken und bleiben oder umziehen und im Endeffekt alles neu machen.
Bei Erweiterungen bist du darauf angewiesen, was Wix erlaubt.
Webflow hat dasselbe Problem. Ein Wechsel weg von Webflow ist technisch sehr aufwändig: dein Design und deine Struktur lassen sich nicht einfach exportieren und anderswo weiterverwenden. Auch hier gilt: beim Umzug neu machen (lassen).
WordPress ist Open Source. Das bedeutet: Der Code gehört niemandem, jeder Entwickler weltweit kennt das System, und du kannst jederzeit den Hoster wechseln, den Entwickler wechseln oder das System weiterentwickeln lassen. Über 43 % aller Websites weltweit laufen auf WordPress.
Das bedeutet auch: Wenn dein Webdesigner mal nicht mehr verfügbar ist, findest du sofort jemand anderen, der deine Seite kennt und weiterentwickeln kann.
Fazit Abhängigkeit: WordPress ist das unabhängigste System der drei. Du bist Herr über deine eigene Website.
Für wen ist welches System sinnvoll?
WordPress empfehle ich für:
- Kleine und mittlere Unternehmen, die langfristig planen
- Branchen mit Datenschutzanforderungen (Arztpraxen, Anwälte, Steuerberater)
- Alle, die SEO ernst nehmen und langfristig in Google sichtbar sein wollen
- Unternehmen, die auf Unabhängigkeit von einer Plattform Wert legen
- Wer bereits WordPress kennt und damit zufrieden ist: kein Grund zu wechseln
Wix kann sinnvoll sein für:
- Sehr kleine Betriebe mit absolutem Minimalbudget, die keine SEO-Ambitionen haben
- Wer eine schnelle Übergangslösung braucht und plant, später etwas Professionelleres aufzubauen
- Hobbyisten oder Projekte ohne unternehmerische Relevanz
Webflow empfehle ich nicht für typische kleine Unternehmen, die ihre Website selbst pflegen wollen. Es ist eher ein Werkzeug für Designer und Agenturen, nicht für den Inhaber eines Handwerksbetriebs.
Das CMS allein entscheidet nicht über den Erfolg
Jetzt kommt der Punkt, der oft vergessen wird und der ehrlich gesagt wichtiger ist als alles oben Genannte: Das CMS ist das Fundament, aber nur das, was darauf gebaut wird, entscheidet über Erfolg oder Misserfolg der Website.
7 Dinge, die über den Erfolg deiner Website entscheiden
1. Klare Zielsetzung & Strategie
Was willst du mit deiner Website erreichen? Mehr Anfragen? Mehr Terminbuchungen? Ohne klares Ziel ist die beste Technik wertlos.
Dieser Punkt hat, wie du siehst, mit der gewählten Software nicht immer viel zu tun (außer du brauchst ein Onlineshop für Direktverkäufe und ein CMS kann es überhaupt nicht).
2. Starke Positionierung & Nutzenkommunikation
Deine Website muss in wenigen Sekunden vermitteln: Wer bist du? Was machst du? Warum sollte der Kunde gerade dich wählen? Viele Websites scheitern daran, weil sie zu allgemein oder zu kompliziert sind.
3. Conversion-Optimierung & Nutzerführung
Es reicht nicht, dass die Website hübsch aussieht, sie muss deine Ziele verfolgen. Wird der Besucher logisch durch die Inhalte geführt? Gibt es klaren nächsten Schritt für den Besucher, damit er bei dir simpel und schnell eine Anfrage stellen kann?
4. SEO & Sichtbarkeit in Google
Was bringt die beste Website, wenn niemand sie findet? Alle modernen Systeme liefern die technischen Grundlagen, aber für die richtigen Keywords und gute Inhalte bist du verantwortlich, nicht deine Website-Software.
5. Überzeugende Inhalte
Menschen kaufen Lösungen für ihre Probleme, keine Produkte. Wenn deine Website das transportiert, wirst du mehr Erfolg haben.
6. Messbarkeit & kontinuierliche Optimierung
Eine Website ist nie fertig. Nutze Tools wie Matomo oder Google Analytics, um zu verstehen, was funktioniert. Teste regelmäßig, optimiere, pass an.
Kurz zusammengefasst
Wichtig: Typische Website für ein kleines Unternehmen lässt sich mit jedem der genannten CMS bauen. Du hast also freie Wahl.
- WordPress ist für die meisten kleinen Unternehmen die beste Wahl: unabhängig, DSGVO-konform, SEO-stark, mit riesiger Community.
- Wix ist einsteigerfreundlich, aber langfristig einschränkend und datenschutzrechtlich problematisch.
- Webflow ist ein Profitool für Designer – nicht für die Selbstverwaltung durch KMU-Inhaber geeignet.
Du hast Fragen zur richtigen Plattform für dein Projekt oder willst einfach wissen, was für dein Unternehmen konkret Sinn macht? Melde dich gerne.